Kiel University
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
CAU - seit 350 Jahren ganz weit oben

350 Jahre Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Die Gründungsgeschichte

Als die Kieler Universität am 5. Oktober 1665 feierlich eingeweiht wurde, war es zwar der Wunsch der Kieler Stadtväter gewesen, die Wirtschaft der Stadt dauerhaft anzukurbeln, doch dass die Universität eines Tages zu den größten Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern der Region gehören sollte – das war wirklich nicht abzusehen.

Friedrich III. verpflichtete seinen Sohn, Christian Albrecht, eine eigene Universität ins Leben zu rufen. Nach dem Ende der großen Dänisch-Schwedisch-Schleswig-Holsteinischen Auseinandersetzung 1660 war die Stunde gekommen: Christian Albrecht ließ die Pläne durch seinen Kanzler Johan Adolf von Kielmannseck in die Tat umsetzen. Als Standorte wurden Schleswig oder Kiel ins Auge gefasst, wobei der Rat der Stadt Kiel das bessere Angebot machte – gegen den Willen der Bürgerschaft, die den verderblichen Einfluss der Studenten auf die Bevölkerung fürchtete.

Der Rat stellte der Universität das ehemalige Franziskanerkloster kostenlos zur Verfügung, in dem am 5. Oktober 1665 die neue Universität feierlich eröffnet werden konnte. Der Unterricht der ersten 18 Professoren in den Fächern Theologie, Jura, Medizin und den freien Künsten fand im Franziskanerkloster statt. Die Insignien der Universität, das Zepter und der Mantel des Prorektors, die Siegel usw. wurden vom Herzog gestiftet, der zugleich das Rektorenamt übernahm. Am 22. Januar 1666 nahm die Universität die ersten Doktorprüfungen ab und hatte damit ihren Betrieb vollständig aufgenommen. In den nächsten einhundert Jahren hatte die CAU allerdings mit stetiger Geldnot zu kämpfen und litt unter den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Gottorf und Dänemark.

Zarin Katharina erweckte im 18. Jahrhundert die Kieler Universität mit finanzieller Unterstützung zu neuer Blüte. (Ölgemälde eines unbek. Malers, um 1760/65, Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek)
Zarin Katharina erweckte im 18. Jahrhundert die Kieler Universität mit finanzieller Unterstützung zu neuer Blüte. (Ölgemälde eines unbek. Malers, um 1760/65, Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek)

Die Entwicklung einer Vordenkerin

Erst unter der Regierung der russischen Zarin Katharina erwachte die Universität zu neuem Leben. Ihr Verwalter in den Herzogtümern, Caspar von Saldern, nahm sich intensiv der Universität an. Er reformierte sie und spendete ihr einen neuen Mittelpunkt: Das neue Universitätsgebäude wurde direkt neben dem Kieler Schloss gebaut. Von der Zarin erhielt die Universität auch ihre Farben Lila und Weiß.

Auch nach der Vereinigung der Herzogtümer im Jahr 1773 war Kiel als nördlichste deutsche und zugleich südlichste skandinavische Universität ein wichtiges kulturelles Zentrum. In vielen Bereichen, wie Medizin und Geburtshilfe, aber auch in den Geisteswissenschaften war sie führend; gleichzeitig gingen von ihr wichtige politische Impulse, vor allem in der „nationalen Frage“ um 1848, aus.

Mit der Annexion der Herzogtümer durch Preußen änderten sich die Verhältnisse in Kiel rapide. Die Stellung der Universität wurde den anderen preußischen Universitäten angeglichen. Sie war nun eine von vielen preußischen Universitäten. Nach Zeiten der Stagnation in den ersten preußischen Jahren stieg jedoch die Zahl der Studenten seit den 1870er Jahren erheblich. Seit 1908 kamen schließlich auch Studentinnen hinzu. Die alten Gebäude reichten nicht mehr aus. Die preußische Regierung beauftragte einen Neubau, der durch die Berliner Architekten Gropius und Schmieden entworfen wurde. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche weitere Gebäude, vor allem für die Naturwissenschaften und die Medizin gebaut.

Alte Universität am Schloßgarten, ca. 1920 (Kieler Stadtarchiv)
Alte Universität am Schloßgarten, ca. 1920 (Kieler Stadtarchiv)

Ein dunkles Kapitel

Die Umwälzungen in Deutschland im 20. Jahrhundert erfassten die Kieler Universität wie alle anderen Universitäten auch. Sie wandelte sich von einer kaiserlichen Universität über die Zeiten der Weimarer Republik hin zu einer streng nationalsozialistisch ausgerichteten Lehranstalt, aus der die jüdischen Mitglieder schon sehr frühzeitig und rüde vertrieben wurden, was mit erheblichen Qualitätseinbußen in Lehre und Forschung verbunden war.

In Kiel fand der Gleichschaltungsprozess sehr schnell und ohne größeren Widerstand statt. Teile der Studierendenschaft und des Lehrkörpers sahen sich als Vorreiterinnen und Vorreiter in der Umsetzung der NS-Bildungs- und Rassenpolitik. Die Gleichschaltung zog tiefe Eingriffe in Universitätsverfassung und im Beamtenrecht nach sich – fast 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mussten Forschung und Lehre aufgeben, ihre akademischen Grade wurden aberkannt. Eine neutrale Rechtsprechung oder Berufungsinstanz gab es nicht mehr.

Zum Gedenken der im Nationalsozialismus vertriebenen Persönlichkeiten stand die Akademische Feier der Universität Kiel zum Volkstrauertag 1993 im Zeichen des Erinnerns. Die damalige Rektorin, Karin Peschel, nahm die Feier zum Anlass, die moralische Position der CAU zum Ausdruck zu bringen: Sie erklärte die von der Christian-Albrechts-Universität zwischen 1936 und 1945 politisch motivierte Aberkennung der Doktorgrade für nichtig.

Aufbruch in moderne Zeiten (Uni Kiel / Jürgen Haacks)
Aufbruch in moderne Zeiten (Uni Kiel / Jürgen Haacks)

Der Wiederaufbau

Der Zweite Weltkrieg bedeutete beinahe das Aus für die Kieler Universität. Die meisten Universitätsgebäude lagen in der Innenstadt und fielen dem alliierten Bombardement zum Opfer. In dieser Situation beschloss die Universitätsleitung 1945, die Hochschule nach Schleswig zu verlegen. Der Geologe Karl Gripp und eine Gruppe Universitätsmediziner konnten jedoch die englischen Besatzungstruppen überzeugen, den Universitätsbetrieb in der ehemaligen Waffenfabrik ELAC und auf Schiffen in der Kieler Förde aufrecht zu erhalten. Am 17. November 1945 begann dort der erste Lehrbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg.

Seit dieser Zeit expandiert die Christian-Albrechts-Universität.
In den 60er Jahren wurden neue Gebäude am Westring errichtet: darunter eine Universitätsbibliothek, die Universitätskirche, das Auditorium Maximum. Die Universität hatte sich am westlichen Stadtrand Kiels als Campusuniversität neu etabliert.

Die Studierendenunruhen der späten 60er Jahre hatten natürlich auch ihre Auswirkungen auf die CAU. Streiks, Besetzungen und Proteste gehörten zum Alltag. Als Folge wurde die alte Universitätsstruktur modernisiert, alte Traditionen wurden ausgesetzt.

Waren 1945/46 gut 2.000 Studierende in Kiel eingeschrieben, waren es Mitte der 70er Jahre schon 10.000, Anfang der 80er 15.000, und heute sind es 25.000.

Die Universität expandierte auf allen Gebieten. Aus den vier Gründungsfakultäten wurden acht, so dass auch die Gebäude am Westring bald zu klein wurden. 1972 wurden die ersten Häuser an der Olshausenstraße bezogen, es kamen die Sportstätten auf dem Campus und die Gebäude der Technischen Fakultät am Ostufer hinzu. 2001 wurde eine neue Universitätsbibliothek in der Leibnizstraße eingeweiht.

Lasertest im Future Ocean's Laser Detection Laboratory. (Uni Kiel / Ronald Frommann)
Lasertest im Future Ocean's Laser Detection Laboratory. (Uni Kiel / Ronald Frommann)

Die Weiterentwicklung

In den fast 350 Jahren ihres Bestehens hat die Christian-Albrechts-Universität in Kiel in vielen Bereichen Impulse und Meilensteine gesetzt. Das wird auch bei den Nobelpreisträgern deutlich. Unter den zahlreichen Trägerinnen und Trägern dieser Auszeichnung lehrten unter anderem Philipp Lenard (Physik 1905), Max Planck (Physik 1918) oder Otto Diels (Chemie 1950) in Kiel. Die CAU hat sich in ihrer Geschichte von einer regionalen Lehranstalt zu einer international anerkannten Universität entwickelt.

2013 bewilligte die Landesregierung Schleswig-Holsteins schließlich Zuwendungen in Höhe von 165 Millionen Euro für die Sanierung und den Neubau zahlreicher Universitätsgebäude. Im Zuge der Sanierung werden die Voraussetzungen für moderne, zeitgemäße Forschung geschaffen und es werden verstärkt neuartige Raum-Lehr-Konzepte erprobt und angeboten.

Das Kieler »Zentrum Molekulare Biowissenschaften« (ZMB) und Vorplatz an der Leibnizstraße. (Uni Kiel / Jürgen Haacks)
Das Kieler »Zentrum Molekulare Biowissenschaften« (ZMB) und Vorplatz an der Leibnizstraße. (Uni Kiel / Jürgen Haacks)
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